Auf und Nieder, immer wieder! Eine Radtour von Augsburg nach Unterammergau

Aufgeben? Nein, danke!!!

UNSER MOTTO: Es wird gut und mit Verlusten ist zu rechnen.

Frühstuck um 7.30 Uhr im Phoenixphoe (ehemaliges BJW, Betreutes Jugendwohnen). Alles schläft und ist ruhig um uns herum, außer unseren „Hengsten“, die aufgeregt im Zwinger wiehern, mit ihren Rädern scharren und auf ihre Reiter warten. Die wilden Phoenix-Cowboys und -Girls machen sich also fertig für den langen Ausritt. Noch eine letzte Kontrolle: Zügel werden befestigt (= Lenker festgeschraubt), Hufeisen kontrolliert (= Luft nachpumpt) und die Kutsche angespannt (= Fahrradanhänger) befestigt.

Um 8.00 Uhr ritten wir dann also los, unsere Hengste galoppierten wie von alleine, vor Energie kaum zu halten. In diesem Falle: „Aller Anfang ist leicht!“

Die erste Rast machten wir in Penzing, Gasthof Frank, wir genossen eine super-leckere, bayrische Küche. Voll gegessen und getrunken holten wir unsere Pferde. Sie waren aneinander gelehnt und hielten ein Nickerchen.

Hau-Ruck, auf den Sattel geschwungen und Hau-Ruck auch am liebsten wieder abgestiegen. Unsere Poposchmerzen waren der Grund für das zweite Hau-Ruck. Die ersten zwei Minuten waren qualvoll, bis sich unser Gesäß nun wieder an den Sattel gewöhnt hatte. So trabten wir locker weiter. Von nun an hatten wir noch einen Begleiter: die Sonne – sie tankte uns mit Kraft, so dass wir unser Ziel auch erreichen sollten.

Täler und Berge durchquerten wir. Unsere galoppierenden Hengste waren nun Schritt-gehende Wallache und wir Reiter kramten an jedem Ortsschild das Dextro Energy aus. An Aufgeben war jedoch nicht zu denken! Nach einem anstrengenden Waldstück kehrten wir nun in Wessobrunn in den Gasthof zur Post ein. Mit Kaffee und Eis stärkten wir hier Leib und Seele.

Unsere Wallache lehnten nun nicht mehr, sondern hatten sich hingelegt, um einen Nachmittagsschlaf zu halten. Das Treiben der Gäule war anstrengender denn je. Die Zwerge auf unseren Sätteln hatten sich zum Grillen verabredet und fachten gerade das Feuer an; DAS TAT WEH!!!

Aufgeben? Nein, danke!!! Jedes Ortsschild motivierte uns, da wir unserem Ziel wieder ein Dorf näher kamen. Dann, der Wegweiser nach Böbing, 9 km. „Super“, dachten wir uns, „das haben wir gleich“. 500 m weiter ein Straßenschild, 12% Steigerung!!! Unsere Wallache waren, zu unserem Nachteil, zu Drahteseln mutiert. Wie jedermann weiß, sind Esel sehr stur. Leider hatten sie keine Lust mehr auch nur einen Schritt zu tun. Wir hatten keine andere Wahl und mussten laufen und unsere Esel hinter uns herziehen. Oben angekommen, gefühlt am höchsten Punkt der Welt, endlich wieder bergab. Der Rest der Strecke war gerade, mit ein, zwei heftigen Anstrengungen. Die Zwerge unterm Hintern hatten ihr Lagerfeuer zu einem Riesenfeuer entfacht und legten fleißig Holz nach. In der fortgeschrittenen Dämmerung trafen die ersten Ausreiter um 21.00 Uhr in dem Haus in Unterammergau ein. Ein großes Hurra an das starke Phoenix-Gespann: 120 km an einem Tag zurückgelegt!

Ich, Judith Ruhose, bedanke mich für dieses Erlebnis und die wunderbare Zeit im BJW. Besonders möchte ich mich bei meinen Bezugsbetreuern, Martina Beisel und Klaus Schechinger bedanken. Sie standen mir stets zur Verfügung und halfen mir, meinen Spagat-Schritt in die Selbstständigkeit abzuschließen. Meinen Eltern danke ich, dass sie mir die Freiheit ließen, den Weg im BJW zu gehen und dass sie das Vertrauen in Martina und Klaus Schechinger nicht verloren. Ich beziehe nun eine eigene Wohnung, doch das BJW, Martina und Klaus werden in meinem Herz immer mit mir gehen!!!