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Im engen Austausch mit der Stadtspitze

Wie auch in schwierigen Zeiten gute Jugendhilfe umgesetzt werden kann - Besuch von Bürgermeister Dirk Wurm
Besuch von BM Dirk Wurm. V. l. n. rechts: Johanna Tischler, Larissa Pretsch, Tobias Riegg, Raphael Bischof, Dr. Vicent Richardt, Elisabet Novak, Bernhard Schuster, Angelika Ortner, Dirk Wurm, Michael Ender, Simone Groß, Frederik Hintermayr. Foto: Daniela Lutz

Besuch von BM Dirk Wurm. V. l. n. rechts: Johanna Tischler, Larissa Pretsch, Tobias Riegg, Raphael Bischof, Dr. Vicent Richardt, Elisabet Novak, Bernhard Schuster, Angelika Ortner, Dirk Wurm, Michael Ender, Simone Groß, Frederik Hintermayr. Foto: Daniela Lutz

„Ich bin in der Sozialpolitik und der freien Wohlfahrtspflege ein Lernender“, betonte der neue 2. Bürgermeister der Stadt Augsburg Dirk Wurm, als er am 23. September erstmals nach der Wahl die St. Gregor Jugendhilfe besuchte, gemeinsam mit Frederik Hintermayr und Simone Groß aus seinem Team. „Aber ich bemühe mich, schnell zu lernen.“ So nahm er sich mehrere Stunden Zeit, um von Fachkräften aus den unterschiedlichsten Bereichen der St. Gregor Jugendhilfe Einblick in ihre Arbeit zu erhalten, in Konzepte und Erfolge, aber auch um sich über anstehende Herausforderungen und mögliche Lösungen auszutauschen. Er wolle den Dingen auf den Grund gehen, so Wurm. Und folglich habe er auch im Urlaub das Buch „Flexible Erziehungshilfen – Grundlagen und Praxis des »Augsburger Weges« zur Modernisierung der Jugendhilfe gelesen“, das er von Regionalleiter und Mitautor Michael Ender erhalten habe.

Der Besuch fand am Vortag der Haushaltssperre der Stadt Augsburg statt. „Uns laufen die Kosten komplett davon. Da rollt ein Tsunami auf uns zu“, so Wurm. 30 Millionen Euro mehr in drei Jahren seien in der Jugendhilfe ausgegeben worden. „Wir müssen den Kostenanstieg zum Stehen bringen.“ Und da ginge es auch um die Überprüfung der Wirksamkeit. Aktuell stimmten die Abstimmung der Angebote und die Schnittstellen nicht. Mehr Effizienz müsse hergestellt werden. „Das wird nur miteinander gehen. Wir brauchen eine Task Force in der Jugendhilfe.“

Ein breit aufgestellter Träger wie die St. Gregor Jugendhilfe sei für ihn ein starker Partner, betonte Wurm. Privatwirtschaftliche Anbieter würden sich nur die lukrativsten Fälle herauspicken. Da ginge es ihm auch um eine Bereinigung. Als Beispiel für effizienteres Arbeiten nannte er die Schulbegleitung. Die individuelle Eins-zu-Ein-Betreuung sei extrem teuer und nicht immer sinnvoll. Das Infrastrukturmodell sei da wohl auch unter fachlichen Aspekten der bessere Ansatz.

„Wir müssen uns das System Jugendhilfe miteinander ganz genau anschauen, dafür Arbeitsgruppen bilden und prüfen, wo Stellschrauben sind. Mehr Geld wird nicht zur Verfügung stehen“. Seine Aufgabe sei dabei die Sensibilisierung und Moderation der „Player“ bei Stadt, freien Trägern und dem Bezirk.

„Für uns als St. Gregor ist die Fragestellung nicht neu, wie wir die Mittel für die Kinder und Jugendlichen mit besonderen Bedarfen zielgerichtet einsetzen können,“ sagte Geschäftsführer Dr. Vincent Richardt mit Blick auf das Projekt Trägerbudgetierung, „wir haben Erfahrung mit sozialräumlichen Lösungen sowie darin, wie im Rahmen eines Leistungsbudgets begrenzte Mittel mit sich wandelnden Bedarfen überein gebracht werden können. Aus meiner Zeit des wissenschaftlichen Arbeitens kenne ich Kommunen, die die Kostensteigerungen in den Griff bekommen haben. Das ist möglich. Wir sind gerne bereit, mit Ihnen darüber ins Gespräch zu kommen.“ Gern wirke man bei der Task Force mit. Mit den Veränderungen im SGB VIII würden diese Lösungen möglich.

In die Tiefe ging die Gruppe bei der Vorstellung konkreter Angebote: SchulFit und soziale Gruppenarbeit an Schulen durch Raphael Bischof; Jugendsozialarbeit an Schulen durch Johanna Tischler; Flexible ambulante Erziehungshilfen, Familientreff und Begleitete Elternschaft durch Angelika Ortner. Für Wohngruppen und stationäre Angebote sprachen Larissa Pretsch und Tobias Riegg, für die Heilpädagogischen Gruppen an der Simpertschule Bernhard Schuster und für die Tagesanlaufstelle F43 Elisabet Novak.

Die Fachkräfte gaben nicht nur Einblick in Erfolge, sondern legten auch Verbesserungsbedarf offen. So sei ein schneller Hilfebeginn oft entscheidend für die Wirksamkeit. Bürgermeister Wurm fragte nach, warum die Bescheide so lange dauern und erkundigte sich unter anderem über Steuerungs- und Entscheidungswege. Einig war man sich darüber, dass es hier Potential für mehr Effizienz gäbe. Flexiblere Hilfen seien fachlich befriedigender und viel wirkungsvoller als starre Zuordnung. Und ein weiteres Fazit: Frühzeitige, niederschwellige Angebote und intensive Hilfen für junge Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf reduzieren in der Folge Kosten. Untersuchungen zeigten, dass sich jeder Euro, der in die Jugendhilfe fließt, doppelt und dreifach rentiert.